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Jenseits Deiner Angstgrenze

Einen Fallschirmsprung machen

Stell dich deiner Angst. Spring trotzdem.

9. November 2008 — der Tag, an dem ich mich meiner größten Angst gestellt habe.

Ich hatte schon als Kind Höhenangst. Nicht nur ein bisschen mulmig – richtig. Dieses flaue Gefühl im Magen, schon beim Blick über ein Geländer. Und trotzdem war da immer diese eine, völlig verrückte Faszination: einmal aus einem Flugzeug springen. Freier Fall. Absolute Kontrolle abgeben. Für mich war das die ultimative Herausforderung.

Als ich dann erfuhr, dass meine Frau Alexandra und ihre Freundin Petra vereinbart hatten, bei bestandenem Studienabschluss gemeinsam Fallschirm zu springen, habe ich ohne groß nachzudenken einfach zugesagt.

Damals war es noch ein Schmäh. Viel Gelächter, große Sprüche, nichts Ernstes. Doch mit der Zeit wurde aus der Idee ein Plan. Und aus dem Plan Realität.

Plötzlich war es November 2008.

Wir trafen uns am Morgen des 9. November in Zell am See. Die Luft war kalt und klar, fast schon unheimlich ruhig. Wir meldeten uns an und bekamen unsere Tandem-Master zugewiesen. Ab diesem Moment gab es kein Zurück mehr.

Das Warten war die Hölle.

Stunden vergingen. Der Tag zog sich endlos. Und meine Nerven lagen blank. Ich war so angespannt, dass ich gefühlt alle paar Minuten auf die Toilette musste. Mein Körper war im Ausnahmezustand.

Gegen Abend war es endlich so weit.

Und ja – ein letzter Gang aufs WC musste noch sein.

Dann ging alles ganz schnell. Rein in den Flieger, dicht an dicht, wie in einer Legebatterie. Kein Platz, kein Entkommen. Nur das Brummen des Motors und der Gedanke: Jetzt passiert's.

Ich war wie in Trance.

Der Flieger stieg höher und höher. Die Welt unter uns wurde immer kleiner. Dann öffnete sich die Heckklappe.

Eiskalte Luft schoss herein.

Mein Herz raste. Ein kurzer Blick auf den Pulsmesser: 150 Schläge.

Ich funktionierte nur noch.

Langsam ging es zur Kante. Vor mir – nichts. Nur Leere.

3… 2… 1…

Und dann—

Absprung.

Ein Sprung ins Nichts.

Für einen Moment war alles weg. Kein Gedanke, kein Gefühl. Und dann war ich plötzlich da – mitten im freien Fall. Wir rasten der Erde entgegen, und doch fühlte es sich… anders an.

Nicht wie Angst.

Sondern wie Freiheit.

Als würde mich ein Luftpolster tragen. Der Lärm, die Geschwindigkeit, dieses unbeschreibliche Gefühl – alles verschmolz zu purem Adrenalin.

Und dann—

Ruck.

Der Fallschirm öffnete sich.

Ein weiterer Blick auf den Pulsmesser: 170 Schläge.

Stille.

Wir glitten ruhig durch den Abendhimmel. Aus dem Chaos wurde Frieden. Die Landschaft kam wieder näher, die Welt wurde greifbar.

Landung.

Fester Boden unter den Füßen.

Geschafft.

Meine ersten Worte?

„Bist du deppert!"

Immer und immer wieder.

Wie mir mein Tandem-Master später erzählte, habe ich genau diesen Satz die letzten Minuten durchgehend wiederholt.

„Bist du deppert! Bist du deppert!"

Und ganz ehrlich – passender hätte man es nicht sagen können.

Ich hab's gemacht.

Trotz Angst.

Unglaublich.

09.11.2008

Datum

4.000 m

Sprunghöhe

200 km/h

Fallgeschwindigkeit

60 Sek.

Freier Fall

1.500 m

Fallschirm öffnet

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